Postdadaistische Auftritte
29.09.-1.10.2016
ARP Museum, Rolandseck
Foto: Barbara Westernach
Theater Thikwa (D) - Hindernisse auf der Fahrbahn
Donnerstag, 29.09., 19.00 Uhr
Seit Jahren trägt die Performerin Ruth Geiersberger ein Buch mit sich herum und zitiert bei Performances daraus: Ernst Herbecks gesammelte Texte "Im Herbst da reiht der Feenwind". Jetzt widmet sie ihm einen Abend. Herbeck (1920-91) hat die Hälfte seines Lebens in der Niederösterreichischen Landesnervenklinik Gugging verbracht. Auf Anregung seines Arztes Leo Navratil begann er Gedichte zu schreiben. Herbecks poetisches Talent ist heute allgemein anerkannt. Er wurde schon zu Lebzeiten zum bewunderten Dichter und Impulsgeber für andere Schriftsteller*innen von Ernst Jandl bis Elfriede Jelinek. Gemeinsam mit Torsten Holzapfel, Tim Petersen und Klaus Janek am Kontrabass liest und singt Ruth Geiersberger Herbeck-Gedichte und Volkslieder. So entsteht eine Collage, ein musikalisch-poetisches Gewebe aus Wort, Verrichtungen, Spiel, Interaktion und Humor. Ein Abend am Sprachrand, der sanft den Riss in den Kulissen der Welt sichtbar macht. www.thikwa.de
Regie, Idee, Konzept, Leseverrichtungen Ruth Geiersberger Mit Ruth Geiersberger, Torsten Holzapfel, Klaus Janek, Tim Petersen Kostüme Heike Braitmayer Bühne, Ausstattung Theater Thikwa Licht Manfred Arlt Eine Produktion von Theater Thikwa in Koproduktion mit dem TamS München
Eintritt: EUR 16 / 12 erm.
Foto: Das Helmi
Das Helmi (D) - Die letzte Lockerung
Freitag, 30.09., 19.00 Uhr
Was ist Dada? Dada ist die Nichtkunst, die Antikunst, die Antipuppe, der Schlag ins Gesicht der hehren Kulturstätten. Und: Dada ist komisch. "Letzte Lockerung“ – so heißt ein dadaistisches Manifest, in dem Walter Serner 1918 gegen alle Sinnerhaltungs- und Sinnstiftungsversuche protestierte. Jetzt versammeln sich die Berliner Anarcho-Puppentruppe Das Helmi mit Gästen unter diesem Titel zum großen Dada-Requiem. Mit dabei sind bekannte Charaktere aus dem Helmi-Repertoire: die Insassen von Schweizer Sanatorien, Typen wie Sylvester Stalone, John Jacob Rambo, Siddhartha, Hofrat Behrends, Wim Wenders, Vincent van Gogh, Jonathan Meese und die Eselfamilie Grau. Es geht um Männlichkeit und Menschlichkeit, um die Geburt, die Liebe, den Sex, ums Internet und um Gefühle. Um den Krieg, das Blut und das Geld. Es wird gekocht, gezeichnet, geboxt, gebaut und gemalt wie in einem großen Ritual. "Denn wir sagen, was Dada ist! Es kann aber auch sein, dass wir am Abend der Aufführung wieder eine neue Meinung haben." www.das-helmi.de
Von und mit Felix Loycke, Florian Loycke, Brian Morrow, Emir Tebatebai und weiteren Gästen Eine Produktion von Das Helmi in Zusammenarbeit mit dem Theaterfestival Grenzenlos Kultur
Eintritt: EUR 16 / 12 erm.
Foto: Ralf Henning
HORA’BAND (CH) - Neues aus unserem und anderen Sonnensystemen
Samstag, 01.10., 16.00 Uhr
Ausgangspunkt ist in der Regel eine wunderliche Melodie, ein Rhythmus oder die Erinnerung an eine fiktive Zusammenarbeit mit Marianne Faithfull. Davon ausgehend stürzt sich die siebenköpfige HORA'BAND, größtenteils „Menschen mit amtlich beglaubigtem Dachschaden“, ins Unbekannte. Mit Gesang und Gitarre, Schlagzeug und stotternder Wurlitzer-Orgel, Kirmespauke, Melodika oder Glockenspiel. Songs und Stories über Meerjungfrauen, Wirbelstürme, magische Steine und Mondstaub. Und natürlich über die Liebe. Und irgendwann geschieht das Wundersame: die Klänge erheben sich, die Musik wird groß und wahr – und die Welt gerät in Schwingung. Die Band des weltbekannten Theater HORA aus Zürich ist ohne Übertreibung eine der speziellsten Bands der Welt. Beachtliches musikalisches und handwerkliches Können ist bei ihnen gepaart mit einem seltenen Sinn fürs Relativieren der vorgegebenen Textur. So erscheint jeder Ton wie im Moment erfunden und gelebt. Dies ist kein eigentliches Improvisieren, mehr ein etwas freierer Umgang mit der Spielart im Hier und Jetzt unter den gegebenen Umständen. www.hora.ch
Vocals, Mandoline Denise Wick Ross Vocals, Melodika, Perkussion Sandra Grande Westerngitarre, Glockenspiel Enrico Rizzi Elektrische Gitarre Roli Strobel Wurlitzer Orgel Dr. Vree
Eintritt: EUR 16/ 12 erm., Kombi-Ticket zusammen mit Meine Damen und Herren und Les Reines Prochaines EUR 25 / 20 erm.
Foto: Iskender Kökçe
Meine Damen und Herren (D) - Eine lange Strecke ist zu weit für mich
Samstag, 01.10., 17.00 Uhr
Sie sind da! Sie leben! Sie sind mitten unter uns! Meine Damen und Herren landen im Museum und mischen sich unters Volk. Ihre von Dada inspirierte Prozession steckt voller Querverbindungen zu fremden Welten, Fluchtpunkten und außerirdischen Zuständen. Mit ganz alltäglichen Gegenständen und Objekten verwandeln sie sich immer wieder in neue Figuren. Pappbecher verschmelzen in einer freundschaftlichen Begegnung mit einem Stromkasten. Pappkartons verwandeln sich in Vögel, die Becher werden zum Telefon. Den Soundtrack dazu liefern die Geräusche der Stadt. Meine Damen und Herren sind Hamburgs wichtigste inklusive Theatergruppe. Ihre performative Intervention ist eine Hommage an Dada, bei der aus banalsten Alltagsobjekten, Gesten und Geräuschen immer neue Assoziationen und Figuren entstehen. www.meinedamenundherren.net
Von und mit Tim Borstelmann, Katharina Bromka, Josefine Großkinsky, Christoph Grothaus, Friederike Jaglitz, Marc-André Klotz, Thomas Möller, Tom Reinecke, Nicola Reinmöller, Carsten Schnathorst, Paula Stolze, Martina Vermaaten, Matthias Zalachowski Eine Produktion von Meine Damen und Herren in Zusammenarbeit mit dem Theaterfestival Grenzenlos Kultur
Eintritt: EUR 16 / 12 erm., Kombi-Ticket zusammen mit HORA’BAND und Les Reines Prochaines EUR 25 / 20 erm.
Foto: Tobias Madörin
Les Reines Prochaines (CH) - Fremde Torten im falschen Paradies
Samstag, 01.10., 18.00 Uhr
Les Reines Prochaines aus Basel kommen aus der abendländischen Performancetradition und betreiben den professionellen Dilettantismus als künstlerisches Konzept. Ihr Vorgehen ist prozesshaft, assoziativ, konzeptuell. Die Musik ist mediale Basis, alles kreist um sie. Sie ist gut und ziemlich bekömmlich, wenn das Publikum starke Zähne hat. Mit frisch geschäumten Ohren und reinen Seelen verlässt es ihre Konzerte. Immer wieder wird bei ihm die wohlduftende Erinnerung an diese widerspenstigen Weiber aufkommen. In ihrem aktuellen Programm sucht das legendäre Musik machende Künstlerinnen-Kollektiv nach einem Weg in eine zukunftsfähige Moderne. Sie spielen brandneue Lieder und Chansons und erfinden neue Muster im alten Paradies. Mit Mut, Aberwitz und Poesie experimentieren sie mit Tieren, mit der Liebe und mit Utopien. Im Eldorado verschieben sie die Möbel und zwirnen Ideologien wie Anarchismus, Soziokratie, den Blues und die Zoologie zu neuen Blüten. Mit aufgeschürften Knien und aufgesperrten Kehlen, singen sie die Chöre und tanzen den neuen Walzer. www.reinesprochaines.ch
Eintritt: EUR 16 / 12 erm., Kombi-Ticket zusammen mit HORA’BAND und Meine Damen und Herren EUR 25 / 20 erm.





